März 2013:

VOX Challenger Bass

 

Diese Reparatur ist eigentlich im März letzten Jahres hereingekommen, die Instrumente dieses Kunden beehren jedoch immer noch meine Werkstatt, da er sie noch nicht abgeholt hat. Kein Wunder, er wohnt ja auch im hohen Norden, kommt nur ab und zu nach Bayern und da klappts scheinbar mit den Terminen nicht jedesmal… Er ist Profi-Musiker und heißt Stoppok.

Er gab mir dieses Mal einen Vox-Bass mit den Worten: „Lass bitte bloß die Saiten drauf!“ Oha, dachte ich, das hört sich nach Drohung an. Die Drähte waren nicht die frischesten, aber der Meister gehört zu der Generation, bei der ein Bass noch wie ein Bass klingen darf und nicht wie ein Klavier. Naguuut… Jedenfalls funktionierte die Elektrik nicht so ganz, also die Ton-Potis, auch der Wahlschalter für die beiden Tonabnehmer wäre komisch, meinte er. „Kannst dir Zeit lassen, komme erst wieder im Herbst.“ Sprachs und entschwand.

Jetzt – ein Jahr später – schreib ich nun hier über die Reparatur und denke mir: eigentlich sollte ich´s nicht Reparatur-des-Monats nennen, sondern Reparatur-des-Jahres... nicht weil´s so lang gedauert hat, sondern weil´s schon so lang her ist. Doch wurscht, hier geht´s jedenfalls um einen der schönsten und seltensten Bässe aus den 60ern, einen VOX Challenger Bass. Wer kennt sowas? Ich jedenfalls nicht, dies war der erste, den ich auf dem Tisch hatte.

Kommt mir trotzdem alles bekannt vor… diese dicke Lackierung, die Farbe, nachdem ich die Pickups und die Potis ausgebaut hatte wurde es klar: Das Instrument wurde in Italien gefertigt, von EKO bzw. Crucianelli! Schön.

Los geht´s: nach dem Elektrik-Tscheck war klar, dass die Ton-Potis gar nicht angeschlossen waren und der Pickup-Drehschalter aus Plastik einfach eine neue Mutter brauchte. Das war dann schnell erledigt, naja nicht ganz so schnell, ist ja ein Semi-Bass und es musste ein bisserl gefädelt und gefummelt werden. Erfreulicherweise funktionierten die Potis ohne zu kratzen, so konnte alles original bleiben.

Beim Testen bemerkte ich jedoch einen unangenehmen Fehler, den viele Semi-Instrumente haben: Das Griffbrett-Ende ist eine Sprungschanze, also das Spielen in höheren Lagen ist nur mit hoher Saitenlage zu realisieren. Hier war die „Biegung“ so steil nach oben, dass ein „Geraderichten“ über die Bünde allein nicht möglich war. Also musste ich die letzten Bünde entfernen und das Griffbrett abrichten, dann die Bünde wieder rein und diese abrichten…

Letztendlich hört sich das nach einer halben Stunde an, im richtigen Leben dauerts dann dreieinhalbmal so lang, doch am Ende zählt nur der Erfolg. Nun haben wir – also der Stoppok – einen wunderbaren Semi-Bass mit wenig Sustain und viel Plopp, damit könnte man großartige 60s-Sounds kochen, oder eben deutschen Folk von heute. Fazit: Hätt´ ich selber gern.