JULI 2013:

Gibson PAT NO Pickup

 

Wenn man als Gitarren-Schrauber in fremden Werkstatt-Schubladen wühlt (ich hatte Erlaubnis!), kann das mitunter höchst interessant sein...

Es passierte an einem regnerischen, trostlosen Arbeitstag, als ich nach erfolgreichem Geschäfte-Abschluss mit Musikhaus Hartl in deren Werkstatt noch schnell eine Gitarre justierte. Auf der Suche nach dem passenden Inbus stolperte ich buchstäblich über eine Kiste mit gebrauchten und neuen Tonabnehmern. Dabei fiel mir ein weißes, erbärmliches Etwas ins Auge, das bestenfalls noch Jack White als Lapsteel-Pickup auf ein Stück Holz nageln würde, wenn er denn überhaupt noch funktioniert…

 

Ich zog das Dingens heraus und drehte und wendete es… Pat.No. steht da doch glatt drauf. Das berühmte schwarze Decal, die Nachfolger der PAF´s, innen jedoch der gleiche Tonabnehmer. Ich kichere noch verwirrt in mich hinein, denn weiße Spulen hatten die doch nicht, oder? Offensichtlich wurden die später mal draufgeschnallt, das Kabel ist ja auch eher ein Witz als das originale Braided Wire, und zu allem Überfluss fehlen der Grundplatte die Beine! Aber irgendwie mochte ich diesen seltsamen Pickup. Was da wohl für ein Magnet drin haust?

 

Ich fragte die Besitzerin, ob ich der Sache denn auf den Grund gehen dürfte, und ja, ich sollte. Denn irgendwie hat mich dieser verbastelte Pickup angesprochen. Ob da einfach ein paar übrige Teile zusammengeschraubt wurden, oder ob sich da einer Gedanken gemacht hatte, oder… pssst! ob da einer einen Pat.No.-Pickup fälschen wollte?

Beim Zerlegen machte sich dann aber schnell Enttäuschung breit, denn das einzig originale ist die Grundplatte, und die hat keine Beine mehr! Trotzdem, die Spulen hatten Durchgang, und ich hatte in meiner Schublade noch einen alten, rauhen AlNiCo 5 Magnet (Gibson sagt, die rauhen Magnete machen ein anderes Magnetfeld), mit Ahorn-Spacer und dem richtigen Loch-Spacer, der hat quasi nur auf diese Grundplatte gewartet. Das sind die optimalen Zutaten für einen PAF... entschuldigung PAT.NO.

Also habe ich wieder Beine angelötet, die Teile zusammengebaut und ja… ich habe diese unbekannten weißen Spulen wieder montiert, ohne zu wissen, was das genau ist. Jedenfalls hatten sie schon mal den genau richtigen Gleichstrom-Widerstand. Dann musste halt noch ein Cover her, und siehe da, wie durch Zufall läuft mir da eine 70er Jahre T-Top-Kappe über den Weg… also gut, nehm ich halt die.

 

Meine Neugier konnte sich kaum im Zaum halten, als ich den wiederbelebten Tonabnehmer nun in meine Lieblings-SG einlötete. Diese Gitarre suchte nämlich schon lange nach dem passenden Klangübertrager, viel Gutes hatte ich schon ausprobiert, aber da war etwas an dieser SG, was kein PU zu wandeln vermochte. Alles war perfekt, nur der Baustein „elektrische Übertragung“ war noch nicht optimal besetzt. Und nach den ersten Akkorden wurde mir klar, dass die Suche ein Ende hatte. Genau das richtige Kombinat, jetzt passt einfach alles zusammen! Ob das nun die magische Grundplatte war, oder die alten Magnete, oder vielleicht die unbekannten Spulen??? Egal, hier hat etwas stattgefunden, was äußerst selten ist: alle Komponenten passen zusammen, die Hölzer, die Konstruktion, die Anbauteile und die elektrische Übertragung. Geb´ ich nie wieder her…