Juni 2012: Gibson SG

 

Zack! Schon ist es Juni und die Aufträge kommen herein wie die Sonne nach Bayern...

Vor allem habe ich in diesen Wochen mit SG´s zu tun, und zwar solchen, die mehr nach Angus Youngs Allerliebster No.1 (die mit den Blitzen) aussehen sollen.

 

Der Kunde hier ist ein ganz besonderer, er hat eine Menge SG´s, und ein paar davon haben eine Verbindung zu AC/DC in Form von Autogrammen, Airbrushes, oder dem 8000$ Signature Model.

Die Gitarre, die er mir zuschickte, ist/war eine ganz gewöhnliche SG Special von ´99, ziemlich gerockt und geschunden, aber sie schwingt auffällig offen... ein gutes Stück Holz. Sein Plan: Wir machen da eine Angus Signature draus, ähnlich seiner limitierten Gibson AY Custom Shop.

Jaaaaa!... sagte ich, das ist genau mein Ding, dafür spring ich morgens gern aus dem Bett. Die Specials sind die richtige Ausgangsbasis für das Blitz-Griffbrett. Da ich mir selbst schon eine geschnitzt habe, wusste ich was zu tun ist:

Die Blitz-Einlagen macht der Andreas Rall mit seiner CNC-Fräse, die restlichen Arbeiten, also die Bundierung, das Binding, Kopfplatten-Overlay, Pickups und Brücke werden hier in der MOJO-Werkstatt erledigt.

Zuerst fräse ich den Falz für das Binding, dann ziehe ich das alte Headstock-Overlay ab und klebe das "Gibson-Standard"-Overlay auf. Danach schick ich die Geige zum Einlagen-Fräsen. Nachdem sie wieder zurück ist, macht das Arbeiten noch mehr Spaß, weil man ständig den Blick auf die erstklassigen Perlmutt-Blitze hat.

Weiter geht´s: Wir wollen das Binding an den Bundenden hochgezogen haben, also muss ich zuerst Bundieren. Erst danach wird das Binding in weiß mit Aceton angeklebt und bündig mit den Bünden getrimmt. Side-Dots gesetzt, Bünde abgerichtet, Halsrückseite inklusiv Binding klarlackiert, dabei auch die Kopfplatte mitlackiert, nochmal schön verschliffen, poliert und geölt... lecker!

Bis dahin ziehen schon einige Stunden ins Land, man glaubt es kaum, aber was gibt es schöneres, als an einer SG zu werkeln!? (Ja, ich weiß schon was: Gretsch-Arbeit...)

Jetzt wird es ernst, denn, nur das Griffbrett zu verblitzen wäre einem Angus zu wenig. Da muss also ein Angus Young Signature PU von Gibson in die Steg-Position, und dieser hier kommt - kein Witz, ich schwör´ - aus der Ersatzteilkiste von Angus persönlich. Ausserdem muss er mit einem Rahmen eingebaut werden, damit der Winkel zu den Saiten stimmt... eine gute Idee des Meisters.

Der Neck-PU ist ein Dummy, ausser Luft und 6 Schrauben nix drin. Genauso auch der Rest der Elektrik: Der Steg-PU ist nur an ein Volume-Poti angelötet und geht dann direkt zur Buchse, zack!

Die ABR-1 Brücke übernehmen wir, allerdings wechselte ich die Messing-Reiter gegen Nylon-Reiter aus, das minimiert den Saitenriss und mildert das Sustain... beides wollen wir ja vermeiden.

Die letzten Details sind die Toggle-Switch-Scheibe in creme und die Witch-Hat-Knöpfe. Das gehört sich, um auf 3m Entfernung den Betrachter vollkommen zu verwirren: "Ist das die Originale?".

So, jetzt 09er pure Nickel draufgekurbelt und in Stimmung sind wir auch schon. Fertig!

 

Finanziell rentiert sich das allemal, denn die "normale" AY-Signature von Gibson ist nicht besonders authentisch, hat Plastik-Blitze und kostet 2000€. Die "richtige" Signature ist auf 250 Stck. limitiert, der Strassenpreis liegt bei 8000$.

Der Umbau einer Special wie dieser hier liegt jedoch unter 1500€, je nach Preis des Ausgangs-Produkts. Und der Kunde hätte noch die Wahl, wie er das Halsprofil haben möchte...

 

Aber jetzt: Wie klingt das Gerät?

Wiegesagt, wir hatten von Anfang an eine prima Basis, da kann man nicht viel falsch machen. Am 100 Watt Marshall und der richtigen Attitüde wachsen dir von allein die Hörner... reicht das?