Januar 2014:

Hofner President Bass

 

Kam da letztens mein Bandkollege mit so einer Art Riesen-Hutschachtel an… „hab da was dabei, is von einem Schüler…“. Nach der umständlichen Öffnung des Klapper-Koffers bot sich ein trauriger Anblick: Hofner-Semi-Bass mit geschliffenen Flach-Draht-Saiten (ja, so hieß das damals) aus dem Mittelalter bespannt, Bünde korridiert, Griffbrett speckig, Saitenlage dreimeter-siebzig.

Es sah so aus, als hätte der Opa des Besitzers das dicke Dingens nach dem letzten Tanztee-Gig annodazumal einfach in diesen unsäglich labilen Koffer gesteckt, in den feuchten Keller damit und jahrzehntelang nicht angerührt. Die Hoffnung auf eine intakte Elektrik war eher gering. „Meinst, des kriegst wieder hin?“, fragte mein Band-Kollege…

Des weiteren befanden sich in dem Behältnis noch ein paar Blätter mit C-C-G-C- F usw. drauf. Da fällt mir der Bassisten-Witz ein: „ Basser kommt in die erste Bass-Stunde und lernt „A“, kommt in die zweite Bass-Stunde und lernt „D“ und „E“. Zur dritten Stunde kommt er nicht, der Lehrer trifft ihn als er eilig auf der Straße läuft: „Warum kommst du nicht mehr zum Unterricht?“. Darauf der Basser: „Keine Zeit mehr, hab so viele Gigs!“.

 

Auf der Werkbank, nach genauerer Inspizierung, konnte ich erfreulicherweise eine positive Bilanz ziehen: Der allgemeine Zustand war (abgesehen vom Dreck u. Rost) tatsächlich als „gut erhalten“ einzustufen, zusammenfassend zeigten sich folgende Fehler: Hals-Verleimung löst sich, Bünde müssen nachgeklebt und abgerichtet werden, Hals-PU defekt, Potis kratzen, Brücken-Auflage muss repariert werden, komplette Reinigung u. Politur. Uff - dachte ich - hoffentlich gibt das Budget des Schülers die Reparatur-Kosten her, denn es wäre schade, wenn wir diesen seltenen Bass im Regen stehen lassen müssten.

Die Reparatur indessen ging ohne weitere unvorhergesehene Zwischenfälle vonstatten. Die Potis konnten allesamt gerettet werden (Achtung, die Ton-Regler funktionieren andersherum, zu ist auf und dumpf ist hell, wie bei einigen anderen Modellen auch), der Hals-Humbucker zeigte einen Ausfall einer Spule, ich konnte diese durch eine aus meinem Archiv ersetzen. Der Hals fiel fast von alleine ab, da musste ich gar nicht erst mit der Dampfspritze kommen, ein kurzer Ruck und ich hatte 2 Teile in der Hand. Der Reset wurde gleich genutzt, um den Hals-/Korpus-Winkel zu korrigieren. Bünde nachkleben und abrichten ist bei den Altdeutschen fast schon Routine, und die Brücken-Reparatur ist auch keine Kunst. Seht selbst…

 

Nach der letzten Politur glänzt der Dicke wie Bolle und macht nun seinem Namen alle Ehre. Am Verstärker kann er mit ploppigem Punch überzeugen, das ist mal was anderes! Und diese Hutschachtel, was sich Koffer schimpft, ist alleine schon eine Sensation für sich, immerhin hat dieses Stück Pappe den Bass über viele Jahre vor Kratzern geschützt und so darf sich der jetzige Besitzer über ein großartig erhaltenes Instrument erfreuen. Glück gehabt!

Kommt mir noch ein Bassisten-Witz:

Bassisten… das sind doch die Leute, die sich immer in der Nähe von Musikern aufhalten…