September 2013:

Fender Thinline Telecaster ´72

 

7ender Dünnlinie, das ist beileibe der falsche Name für diese Gitarre – wenn man vom Sound ausgeht. Das, was dieses nunmehr schon 41 Jahre alte Gerät am Verstärker auswirft, würde ich eher als „Bigball“ bezeichnen.

Ich hatte schon lange keine mehr in der Hand, und so erinnere ich mich an das letzte Mal, als ich noch dachte „viel zu fett und weich für eine Tele, komisches Ding“. Diesmal aber hat es mich voll erwischt. Lag es an den nicht-originalen Humbuckern im Standard-Format, die diese innehatte, oder hat sich mein Geschmack verändert oder gar weiterentwickelt (das kommt vor..). Man darf ja auch nicht den Fehler machen und einen klassischen Telesound erwarten, logisch, der Vergleich mit einer ES 335 läge jedenfalls näher.

Diese Kunden-Gitarre trägt wiegesagt nicht die gewohnten Wide-Range-Humbucker, sondern … oh, ich weiß schon wieder nicht mehr… waren es Bareknuckles oder Voodoo Pickups… ich geb´s ja zu, vergessen. Aber das klingt toll! Hat sich der Kunde auch gedacht, und deshalb wollte er eine schönere Lösung für die PU-Montage, denn die montierten Standard-Humbucker sind mitnichten kompatibel mit den Wide-Range-Öffnungen und brauchten bisher deshalb einen Rahmen, damit sie nicht in den Korpus hineinfallen. Außerdem sollte ich einen neuen Knochensattel anfertigen und Raw Vintage Reiter für die Brücke anstatt der (eigentlich authentischen) Gußreiter montieren. Achso und neue Bünde, bitt´schön im 6150-Format.

Das Fazit war: endlich lässt sich diese alte Dame dank der neuen Bünde wieder bespielen, der Sattel passt jetzt hervorragend, der Hals sieht nun auch wieder wie ge(p)leckt aus. Das Pickguard haben wir neu gemacht (das originale wieder schön verpackt beigelegt), diesmal gleich mit den Standard-Humbucker-Fräsungen und in Vintage-Pearl, und letztendlich die Brücken-Reiter gegen die gebogenen Blech-Reiter von dieser sündhaft teuren Marke montiert. Nun bin ich ja nicht der Fan von „nur die 50er und 60er waren geil“-Philosophie, zumal diese Axt ja aus den 70ern ist… verstehste, da wurde schon rationalisiert, daß die Schwarten krachten. Aber… im Falle dieser Brücken-Reiter muss ich zugeben, hat das der Dünnlinie gutgetan. Zumindest geht das Ergebnis jetzt mehr in meine Richtung, will sagen, das gibt einen Schuß mehr Höhen und Saitentrennung – umgangssprachlich: weniger Brei an der Buchse. Beides zusammen – also die alternativen Pickups und die Raw Vintage Reiter – machen das Weiche an einer ´72er Thinline weg, ich finde das großartig.

Letztendlich hat mich das dermaßen inspiriert, dass die nächste Gitarre, die ich baue, eine Thinline wird… oder die Übernächste? Und sie wird auch nicht Thinline heißen, sondern Dickline.