März 2012:

Fender Stratocaster ´64/´65

+ + +  1.FOLGE  + + +

 

Es gibt schon mal Monate, da hat man nichts Besonderes auf dem Tisch - nichts, über das man schreiben könnte. Aber eine ´65er Strat hat man doch nicht alle Tage im Haus... Der Hals zeigt ein 64er Datum, auf den Potis und den Pickups sehen wir Januar ´65. Also könnten wir schon von einer Pre-CBS reden, Anfang ´65 gebaut, inmitten der Übernahme.

Erstmal anspielen... naja, eine von vielen Vintage-Gitarren, die eher durchschnittlich tönen. Das kann die ein oder andere Neue besser, ehrlich.

Das Ausserordentliche an dieser hier ist, dass sie ganz schräg übergepinselt wurde, und das - laut Besitzer -  schon Ende der 60er. Wollte da einer Hank Marvin sein, oder wie hiess der eine mit der Nerd-Brille?

Unterm Schlagbrett fand ich noch eine "Schraubenzieher-Fräsung", sieht aus, als ob eine zusätzliche Onboard-Elektronik den Sound aufblasen sollte... Volume-Poti und Pickguard waren ausgetauscht, sonst alles oritschinell. Die Kopfplatte hat ein Loch, da wollte der Erstbesitzer mal das Spiel an den Nagel hängen - wir hätten uns gewünscht, dass ihm das früher eingefallen wäre, bevor er die Geige so verschandelt hat.

Das Musikhaus in Stuttgart, aus dem die Strat stammt, hat ihre Marke unbedacht auf die Kopfplatten-Rückseite genagelt(!), nichtwissend, dass dieses Brett mal mehr Wert sein wird, als es anfangs gekostet hat. Ich finde das irgendwie sympatisch... stellt euch vor, wie der Kaufmanns-Lehrling alle Gitarren mit diesem Schildchen versehen musste... "Chef, wo hend mer denn de kurze Stiftle, die für de Schildle, wissad se?"....."Bisch etz immer no it fertig, Bua, harrgottnei..."

Mein Auftrag war, diese Strat wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Also den milchigen Hals-Lack zu entfernen, einen neuen Knochen-Sattel sollte sie bekommen und den Korpus-Lack sollte ich mir zur Brust nehmen: an ein paar Stellen sah man, dass sie mal 3-tone-sunburst war und ich hoffte innigst darauf, dieses weitgehend unversehrt unter der Nerd-Farbe zu finden. Doch weit gefehlt...

Zuerst kam der Hals dran, die Rückseite wurde gestrippt und bekam - nach farblicher Anpassung an die Kopfplatte - eine neue Nitroversiegelung.

Danach kam der Korpus dran, da stieg die Spannung: War das originale 3-tone-Burst noch vollständig vorhanden?

Also gut, ihr seht es selbst, unter der Verschandelung finde ich Leopard-Burst, das alte 3-tone also schon verschliffen. Der Besitzer weiß bescheid, es muss ein Refinish her. Die Kolleschen vom Munich-Repair-Shop werden das erledigen... 3-tone-sunburst, ohne Relic, nur ein bisschen gilb... wünscht sich der Kunde.

Wenn das Schmuckstück wieder zurück ist, werde ich hier weiterschreiben und natürlich Bilder hochladen, damit wir die Sache mal zuende bringen! (siehe Folge 2)